Reiseabenteuer Deutsche Bahn – Oder die entspannte Fahrt mit dem ICE

Gibt es etwas Entspannteres als eine Reise mit der Bahn? Wenn man der Fernsehwerbung der DB bedingungslos glaubt, dann wohl nicht – wenn sie mal fährt, was im Moment ja auch nicht ganz so sicher ist!

Deutschen Bundesbahn ICE

Ich möchte am Wochenende nach Köln, eine Freundin besuchen und habe natürlich nichts gegen eine entspannte Fahrt. Und günstig noch dazu! Immer wieder stolpere ich über Anzeigen der DB: Ab 29,- € durch ganz Deutschland. Na wenn das kein Angebot ist? Ich klicke auf “Weiter” und muss mein Reiseziel, Tag und Uhrzeit festlegen. Zweimal Umsteigen, 59,- einfach plus Kosten für die Sitzplatzreservierung. Häh? Mein linkes Auge fängt mal wieder an zu zucken. Nix mit 29,- €, sondern grad mal das Doppelte. Hm, grübel. Doch mit dem Auto? Von Stau zu Stau? Nein, eine entspannte Reise ist mir das Geld schon wert. Ich lächle, sehe mich wie im Werbefilm der DB entspannt im Zug sitzen, einen Kaffee schlürfen und merke schon, wie ich ruhiger werde. Ja, so lässt es sich Reisen!

Ja klar, ein sooo entspanntes Reisen! Und was war mit der Fahrt von Freiburg heim, die wegen falschen Angaben mitten in der Nacht an einem verlassenen Bahnhof endete? Ok, mein Pech, warum vertraue ich auch dem Online-Fahrplan, den es mir direkt in den Kalender meines Handys übertragen hat? Hm, und was war vor zwei Wochen? Die Fahrt zur Buchmesse? Zetert das Stimmchen in meinem Hinterkopf weiter. Jetzt zuckt nicht nur mein Auge und ich merke, wie schon wieder eine leichte Aggression in mir hochkriecht.

Messetage sind anstrengend und lang. Was liegt da näher, als bequem mit der Bahn zu fahren, zumal ich fast vor der Haustür einsteigen kann? Auch mit dreimal umsteigen müsste eine entspannte Fahrt machbar sein…

Ok, dass ich fast schon zum Bahnhof laufen muss ist mein Problem, da kann die Bahn nix dafür. Aber wer steht schon gerne länger als notwendig bei Regenwetter an einem zugigen Bahnhof? Na eben, ich nämlich auch nicht. Im Stechschritt komm ich immerhin noch pünktlich auf den Bahnsteig, bremse ab und werde von der Anzeige freundlich mit dem Hinweis begrüßt, dass mein Zug Verspätung hat.

Fast gleichzeitig mit einer Regenböe brummt mein Handy ganz aufgeregt in der Jackentasche. Oh, eine Mitteilung von der DB: Verspätungs-Alarm, Ermittelte Abweichung: Ein Anschluss wird ggf. nicht erreicht. Ich starre etwas dümmlich auf das Display. So kurz nach sechs Uhr darf man ja auch noch etwas langsamer von Begriff sein. Dann das altbekannte Zucken des Auges und ein leichtes prickeln im Nacken. Nicht ganz 20 Minuten nach Offenburg und ich soll dort schon meinen ersten Anschlusszug nicht bekommen? Noch köchel ich nur leicht. Die Wartezeit nutze ich, um mir die Folgen der Verspätung im Einzelnen auszumalen: Lange Wartezeiten an ungemütlichen Bahnhöfen. Neue Züge und Anbindungen ermitteln, Diskussionen mit den Schaffnern wegen dem zuggebundenen Ticket und bezahlte, aber nutzlose Platzreservierungen. Bis mein Zug endlich einfährt, bin ich schon total genervt, koche fast über und es ist noch nicht mal halb sieben.

Mein Anschlusszug? Wenn sie ganz schnell sind, könnte es noch langen! Der Schaffner arbeitet sich weiter und ich steh vorsichthalber schon mal angespannt wie eine Feder an der Tür. Der ICE steht bei der Einfahrt noch einige Gleise weiter und ich springe aus dem Zug, schiebe, dränge und boxe mich durch. Mitten auf der Treppe bremst einer ab, nestelt an Feuerzeug und Zigarette. Schnaubend setzte ich zu einem fiesen Rempler an, aber ein Bursche auf der Treppenstufe unter mir, ist schneller. Zwei Stufen auf einmal nehmend stürme ich zu Gleis 3 hoch. Schnappend wie ein Fisch hoffe ich, dass keiner das unsportliche pfeifen bemerkt, wenn ich nach Luft ringe. Den bösen Blick des Schaffners ignoriere ich und japse ihm ein „Wagen zwei?“ entgegen. Er nickt Richtung fast nicht mehr zu sehenden Anfang des Zuges und drängt mich zu dem nächsten Einstieg. Ok, ich habe kapiert. Ich hätte es aber auch auf eine freundlichere Art verstanden!

Immer noch keuchend quäle ich mich durch die Platzsuchenden der vollen Abteile. Stehe im Stau, stolpere über Koffer, tauche unter Taschen durch und werde von dem einen oder anderen Rucksack doch erwischt. Nach über 10 Minuten sinke ich erschöpft und leicht gestresst auf meinen beengten aber immerhin reservierten und bezahlten Platz. So langsam kommt mein Puls wieder runter. Vielleicht kommt jetzt ja der ruhige Teil meiner Reise. Ich klammer mich an meiner Tasche fest und fingere nach dem schon wieder brummenden Handy: Verspätungs-Alarm, Ermittelte Abweichung: Ein Anschluss wird ggf. nicht erreicht…

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