Einmal Magie bitte – Chiemsee mit Herreninsel und Schloss Herrenchiemsee

Sommer, Sonne, Chiemsee und natürlich Herreninsel mit Schloss Herrenchiemsee: Einmal Magie bitte! Nach dem gelungenen Touriausflug zu Neuschwanstein und Hohenschwangau wollen wir uns doch noch etwas mehr von der magischen Welt König Ludwigs II. von Bayern verzaubern lassen.

Schloss Herrenchiemsee

Blick auf Schloss Herrenchiemsee vom Festland aus

Natürlich beste Reisezeit, Ende September. Im Gepäck die Hoffnung auf spätsommerliche Tage mit T-Shirt-Temperaturen und schmeichelnden Sonnenstrahlen. Und übernachten – natürlich ganz stilecht – in einem Schlosshotel!

Hotel Bonnschlössl

Stilecht übernachten: Hotel Bonnschlössl in Bernau

Hotel Bonnschlössl in Bernau

Hotel Bonnschlössl in Bernau

Auf unserer ersten Etappe in Österreich war das Wetter nicht ganz so toll, aber wenigstens am Chiemsee haben wir die gleiche Definition von Spätsommer. Gefühlte sieben Sonnen räkeln sich aufreizend zwischen weißen Wattebäuschchen am blauen Himmel, was will man mehr?

Die Empfehlung der aufmerksamen Empfangsdame im Hotel, wegen angekündigtem Wetterumschwung gleich zu den Inseln zu fahren, ist wirklich nett gemeint. Aber hallo, wir hatten gerade Regen genug und wollen das königliche Wetter eigentlich nicht schon wieder hergeben! Ich will definitiv nichts von Wetterumschwung hören und schon gar nicht daran glauben!

Naja, ich muss zugeben, mein Fähnchen schwenkt in der Vorwetterbrise doch schnell um. Das Wetterrisiko könnte doch größer sein, als ich mir eingestehen will und die Inseln müssen schon bei schönem Wetter sein.

Chiemsee mit Bergkulisse

Chiemsee mit Bergkulisse

chiemsee

Es ist mein erster Besuch am Chiemsee und ich bin von der Größe ziemlich überrascht. In meiner Vorstellung hatte er doch mehr etwas einer gaaaanz großen Pfütze. Eine beeindruckende Anzahl Kutter dümpelt an der Anlegestelle, bereit, Massen von See-Touristen durch die Hochsaison zu schippern. Momentan hält sich die Touristenflut wie erhofft auf Nachsaisonniveau und wir sichern uns ein schönes Plätzchen an Deck. Der kühle Fahrtwind auf dem See erweist sich schnell als extrem hartnäckiger Begleiter und sorgt nicht nur bei meinem Mann für eine etwas zusammengekauerte Haltung. Ich kann mir ein selbstgefälliges Grinsen nicht verkneifen. Bei Temperaturen unter 25 Grad bin ich vorsorglich schon fast winterlich ausgestattet. Oder zumindest mit einer im Vorfeld immer belächelten warmen Übergangs-Jacke!

Herreninsel Chiemsee

Herreninsel

Auf der Herreninsel erwartet uns erst einmal ein Fußmarsch über die Insel zum Schloss. Das Ticketcenter lassen wir nach kurzem Zögern rechts liegen. Hier scheitert die Schlossführung nicht an unüberschaubaren Menschenmassen und langen Wartezeiten wie auf Schloss Neuschwanstein sondern eher an der momentanen „Nö, muss jetzt nicht unbedingt sein“- Lust, bei diesem wirklich durch und durch königlichen Wetter.

Herreninsel mit Schloss Herrenchiemsee

Fußmarsch über die Herreninsel zu Schloss Herrenchiemsee

Herreninsel Chiemsee

Inselfeeling

Die Erwartung, auf der kurzen Wanderung von einem ultimativen Inselfeeling ergriffen zu werden, weicht bald einem wie daheim „Nach dem Kaffee-Spaziergang-Gefühl“: Weidefläche, Obstwiesen und ein Wäldchen, durch das der Fußweg führt. Nichts Wildes, nichts Außergewöhnliches. Familien, Rentner und mittendrin wir, trotten den Pfad entlang. Nicht einmal High Heels, die sich verzweifelt in den harten Weg bohren und deren Anblick schon den eigenen Füßen einen stechenden Schmerz versetzt. Fast bin ich etwas enttäuscht. Irgendwie ein bisschen viel „Normal“, nach der rauen und faszinierenden Bergwelt um Schloss Neuschwanstein.

Schloss Herrenchiemsee

Schloss Herrenchiemsee

Schloss Herrenchiemsee

Brunnenanlage

Aber natürlich hat Ludwig auch hier auf der Insel für etwas Ahhh und Ohhh gesorgt, auch wenn es diesmal nicht ganz so enthusiastisch wie beim Märchenschloss und der Pöllatschlucht ausfällt. Nach der letzten Biegung liegt es vor uns: Ludwigs Schloss Herrenchiemsee mit den großen Brunnenanlagen. Mächtige Figuren erheben sich gegen den Himmel. Ohne Wasserspiel wirken sie zwar etwas leblos und fremd, aber nicht weniger beeindruckend. Fast könnte man sich einbilden, Schloss und Park würden den Atem anhalten, um nichts von der eigentlichen Magie preiszugeben.

Brunnenanlage Schloss Herrenchiemsee

Imposante Brunnenfigur

Mit einem Auge schiele ich schon Richtung Schlosscafé, während wir von der Schlosstreppe aus brav die schnurrgerade Park-Schneise zum Chiemsee vor bewundern. Ja, Ludwig hat sich bestimmt gerne seine Tasse Kaffee mit einen traumhaften Ausblick versüßt.

Und auf einmal hätte ich vor dem Kaffee, so als kleines Bonbon, doch gerne eine Führung durch das Schloss. Karten direkt vor Ort? Geht nicht. Noch mal zurück laufen und Karten kaufen? Ja? Nein? Nein. Wir wollen ja auch noch weiter zur Fraueninsel! Also kurz ein langes Gesicht machen, innerlich motzen und den Schlossbesuch ablegen unter vertaner Chance. Oder einfach Kopf hoch und zuversichtlich einreden, mal wieder zu kommen.

Schloss Herrenchiemsee

Schloss Herrenchiemsee Seitenansicht

Schloss Herrenchiemsee

Rückseite von Schloss Herrenchiemsee

Wir bewundern im Vestibül den prunkvollen Pfau, den es auch ohne Führung gibt. Fotografieren verboten! Und trotzdem tun es alle, verstohlen mit dem Smartphone oder auffällig unauffällig mit der kleinen Digitalkamera. Die schmucklose Rückseite des Schlosses ist uns nur ein flüchtiges um die Achse drehen wert. Wir stehen fast alleine da, von den anderen Besuchern reicht das Interesse wohl nicht bis hierher.

Wasserspiele Schloss Herrenchiemsee

Wasserspiele

Brunnenanlage Schloss Herrenchiemsee

Mehr gibt es ohne Führung auch nicht zu sehen, bleibt also nur noch das Angebot des Schlosscafés zu erkunden. Passend zum Kaffee zeigen sich die Brunnen doch noch von ihrer berauschenden Seite und wir staunen pflichtbewusst über Wasserfontänen und Wasserspiele. Auf einmal scheinen die Figuren lebendig und der Park belebter. Ein schöner und sehenswerter Ort. Aber ich vermisse die Magie. Die Magie wie sie von Neuschwanstein und der unmittelbaren Umgebung ausging, von der zumindest ICH hier nix spüre.

Schloss Herrenchiemsee

Und noch etwas fehlt, zumindest heute: Japaner. Schnatternde Japaner, die mit dem iPad vor dem Gesicht durch die Gegend stolpern und mit absolut unpassendem Schuhwerk trotzdem jeden Geschwindigkeitsrekord aufstellen. Nicht, dass ich sie vermisse. Oder doch? Vielleicht, überlege ich mir,  bekommt ein Ausflusgsziel wie dieses ja auch erst durch sie einen Teil des faszinierenden Touri-Charakters…

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