Ordensburg ohne Burg und Ritter? Nationalpark Eifel – “Burg” Vogelsang

Natur und Erholung pur – das ist der Nationalpark Eifel – Vordergründig.
Bei genauerem Hinsehen reckt sich die Vergangenheit in tristem Braun aus dem Grün der Wälder. Genauer gesagt über der Urfttalsperre und zwar in Gestalt der „Ordensburg“ Vogelsang.

Nationalpark Eifel

Nationalpark Eifel

Urfttalsperre Nationalpark Eifel

Grandioser Anblick

Urfttalsperre Nationalpark Eifel

Urfttalsperre im Nationalpark Eifel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir stehen auf der Urftstaumauer, lassen die gewaltige Stauanlage, umgeben von traumhafter Natur, auf uns wirken. Die Sonne stielt sich durch die Wolkendecke und wir vergessen, dass wir bei Nebel, Nieselregen und gefühlten Minusgraden gestartet sind. Immer wieder unser Blick hoch zu der etwas trostlos anmutenden Anlage auf dem Bergkamm. Irgendwie wirkt sie in unseren Augen reizlos und will so gar nicht ins idyllische Bild passen. Doch die Neugierde siegt und das Wanderziel steht fest: Wir werden mal wieder um die Ecke schauen.

Bei unserem Marsch kommen wir durch Wälder mit Warntafeln, bestaunen versponnene Raupen, laufen zwischen blühenden Ginstersträuchern hindurch und haben immer wieder in der Ferne die „Burg“ im Blick. Mit leicht rotem Kopf vom Aufstieg und den inzwischen gut wärmenden Sonnenstrahlen lassen wir uns kurz von dem ehemaligen Dorf Wollseifen ablenken und erreichen nach einem zügigen Marsch auf dem anderen Bergkamm unser Ziel. Aus dem Wald kommend, erhebt sich vor uns die „Ordensburg“ Vogelsang, beeindruckend und doch beklemmend zugleich.

Urfttalsperre Nationalpark Eifel

Mit der Ordensburg im Rücken

Nationalpark Eifel - Urfttalsperre - Warnschild

Nationalpark Eifel – Urfttalsperre – Warnschild

Nationalpark Eifel

Nationalpark Eifel – Mohnblume

BUrg Vogelsang Nationalpark Eifel

Blick auf Burg Vogelsang

Nationalpark Eifel Dorf Wollseifen

Überreste eines Eifeldorfes: Wollseifen

Nationalpark Eifel

Nationalpark Eifel – Gut ausgeschilderte Wege

Wer jetzt an eine mittelalterlich Burg, die davon übriggebliebenen Mauerreste und Geröllhaufen denkt, liegt ganz falsch. Vor uns thront ein relativ junger Baukomplex, mit dessen Bau 1934 die „Deutsche Arbeitsfront“ in erster Bauphase begann. Gedacht war die Anlage damals als Formierungsstätte für junge Führungsanwärter der NSDAP – Die NS-„Ordensburg“ Vogelsang.

Ordensburg Vogelsang Nationalpark Eifel

Ordensburg Vogelsang

Die Vergangenheit ist beim Gang zwischen den Gebäuden gegenwärtig, fast meint man, die Stimmung jener Ursprungstage zu spüren und wir erwarten jeden Moment einen Aufmarsch von singenden Rekruten. Schauen alleine langt nicht, wir gieren nach Informationen und wollen die ganze Geschichte zur Kulisse.

Die Bezeichnung „Ordensburg“ entsprang wohl dem Wunsch der Partei- und Staatsführung, sich die alten Symbole der deutschen Geschichte und deren ideologischen Werte für die Bevölkerung zu Nutzen zu machen. Baulich fanden alte Symbole jedoch keinerlei Berücksichtigung, es war keine mittelalterliche Burganlage sondern ein moderner Zweckbau gewünscht. Architekt Clemens Klotz aus Köln verwirklichte dies auf dem rund 100 Hektar großen Areal mit den schmucklosen Gebäuden aus Stahlbeton und Bruchsteinverblendungen sowie der praktischen Verwendung des „Bergfriedes“ als Wasserhochbehälter.

1936 zogen die ersten „Junker“ ein, fanatische Anhänger des Systems, die während ihrer auf 3 1/2 Jahre festgesetzten Ausbildung für ein Jahr auf Vogelsang geschult werden sollten. Gleichzeitig wurde mit den Vorbereitungen für die zweite Bauphase begonnen. Schon 1939 stand das Ausbildungszentrum mit dem Angriff Deutschlands auf Polen vor dem plötzlichen Aus, die Auszubildenden zog es in den Krieg. Vogelsang wurde der Wehrmacht übergegeben und diente zwischendurch auch als Unterkunft für „Adolf-Hitler-Schulen“.

Die leer stehenden und z. T. von der Bevölkerung geplünderten Gebäude wurden 1945 von den einmarschierenden Alliierten in Beschlag genommen. Für die britische Besatzungsmacht bot sich die Anlage als ideale Kaserne an. In Folge wurde 1946 rund um Vogelsang ein Truppenübungsplatz eingerichtet, dem auch das kleine Eifeldorf Wollseifen auf Anordnung der britischen Militärverwaltung durch Zwangsräumung zum Opfer fiel.

Vier Jahre später lösten belgische Streifkräfte die Briten ab. „Camp Vogelsang“ entstand, das durch zahlreiche neue Baukomplexe erweitert wurde. 1955 hielt unter belgischer Hoheit die NATO Einzug auf dem Gelände, womit der Truppenübungsplatz auch von deutschen Einheiten der Bundeswehr mit genutzt wurde.

Mit dem Ende des „kalten Krieges“ kam es zur Schließung von „Camp Vogelsang“ und im Dezember 2005 wurde Vogelsang an die Bundesrepublik Deutschland zurück gegeben.

Schon im Januar 2006 öffneten sich die „Tore“ der Anlage für die Öffentlichkeit und sie erzählt bis heute wissbegierigen Besuchern ihre Geschichte…

Nationalpark Eifel Ordensburg Vogelsang

Gebäude der Ordensburg

Ordensburg Vogelsang Nationalpark Eifel

Denkmal: Teilweise wurde die Beschriftung entfernt

Nationalpark Eifel Ordensburg Vogelsang

Blick auf den Turm

Ordensburg Vogelsang Nationalpark Eifel

Ordensburg Vogelsang

Weitere Informationen zur „Ordensburg“ Vogelsang, Führungen und die weitere Entwicklung zu „Vogelsang ip“ (Internationaler Platz im Nationalpark Eifel) unter:

http://www.vogelsang-ip.de/

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