Zeitfresser Social Media: Fauler Zauber oder die Macht des Wissens?

Die Welt dreht sich schneller, das Jahr fliegt nur so durch und irgendwer hat dem Tag einfach mal aus Spaß ein paar Stunden geklaut. Advent und Weihnachten springen wieder ganz plötzlich, ohne Vorankündigung und überraschend hinter einer Ecke hervor. Das Leben rauscht einfach so an einem durch.

War das schon immer so oder ist das ein Phänomen unserer Zeit? Liegt es am täglichen Stress oder vielleicht sogar am Älter werden?

Seit ich mich mit Social Media befasse und eine entsprechende Weiterbildung mache, kommt mir alles noch schnelllebiger vor, rast die Zeit regelrecht an mir vorbei. Ist das Einbildung? Fauler Zauber? Oder hat sich einfach meine Erwartungshaltung an mich selbst entsprechend geändert?

Ich stehe unter Strom, möchte nichts mehr verpassen. Ich habe das Lesen von Blogs für mich entdeckt, springe in meiner Freizeit von Twitter zu Facebook, von Xing zu Linkedin und weiter zu Google+. Scrolle mich durch meine Twitter-Timeline, jage gefühlt wichtigen Links hinterher und durchstöbere unzählige interessante Seiten. Ja immer auf dem Laufenden sein – und nichts ist so schnelllebig wie das Internet!

Ich fühle mich informiert, der großen Wissens-Gemeinde zugehörig und rudere selbstverständlich eifrig mit dem Strom. Natürlich weiß ich jetzt auch viel mehr, denke ich zumindest. Gleichzeitig fühl ich mich aber auch etwas träge und übersättigt. Die Macht des Wissens hat mich gefangen. Wie unter Zwang wird jede Neuigkeit aufgesaugt, nach jeder Fliege geschnappt, egal, ob ich mich daran verschlucke oder nicht.

Muss das sein? Muss das wirklich sein?

Die Frage will ich mir eigentlich nicht stellen und schon gar nicht beantworten, denn die Antwort liegt auf der Hand: Nein.

Niemand verlangt es von mir, niemand außer mir selbst. Mit dem Wissensdurst ist es das Gleiche wie mit Noten. Mit den ersten guten Noten habe ich meinen persönlichen Druck mir gegenüber gesteigert und meine eigene Erwartungshaltung drastisch hochgeschraubt. Gute Noten heißt für mich viel Wissen aneignen. Wissen wiederum bedeutet für mich, so viel Infos zu konsumieren wie nur möglich, auch wenn ganze Nächte draufgehen.

Hat der Tag wirklich durch faulen Zauber weniger Stunden oder hab ich selbst den Zauberstab in der Hand, um die Welt sich schneller oder langsamer drehen zu lassen?

Irgendwie komm ich doch so langsam doch ins Grübeln.

Muss ich wirklich alles wissen und können? Sind nicht viele Kollegen mit gleichen Interessen da, mit denen ich mich ergänzen kann? Könnte ich mich nicht einem langsameren Rhythmus anpassen, wenn ich es zulasse?

Wenn ich so darüber nachdenke und ehrlich zu mir selbst bin: Nein, ich muss nicht alles wissen und können. Viel wichtiger ist es, der Teil eines Ganzen zu sein, sich mit anderen sinnvoll zu ergänzen und sich auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Na ja und evtl. auch die eigene Erwartungshaltung etwas zurückzudrehen. Denn, auch wenn ich nicht alles weiß, die Welt dreht sich trotzdem weiter – und für mich dann vielleicht auch wieder etwas langsamer…

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