Schreibblockade ich? Nie und nimmer! Oder doch?

So habe ich bisher eigentlich immer gedacht. Warum? Schreibblockade hatte für mich nur eine Bedeutung: Hilfe, mir fällt nix zu Schreiben ein – und das war und ist bei mir ganz sicher nicht der Fall – bisher, wer weiß, was noch kommt!

Erst als ich über die Blogparade „Schreibblockade“  von “PR-Doktor” (Dr. Kerstin Hoffmann) gestolpert bin,  habe mich bewusst mit diesem Thema befasst und mir Gedanken gemacht.  Und  hopla, wenn ich so darüber nachdenke, dann könnte ich fast meinen, ich bin grad mitten in einer drin! Ich und Schreibblockade?

So richtig durchleuchtet hat eine Schreibblockade viele Gesichter und doch meistens ganz andere Gründe bzw. Hintergründe als das „nix zum Schreiben wissen“.

Im ersten Moment fühle ich mich bei dem überdachten Begriff Schreibblockade an meine Schulzeit erinnert:
Am Pult sitzen, auf dem Füller kauen – natürlich mal wieder die Tintenpatrone angebissen –  und ein leeres Aufsatzheft vor der Nase. Ich platzte schon  immer vor Ideen, hatte undendliche Geschichten im Kopf, die nur auf Befreiung lauerten. Die vier Aufsatz-Schulstunden am Samstag (ja, wir hatten noch am Samstag Schule) waren mein ganz persönliches Mekka. Da sprudelte alles nur so aus mir heraus, floss über viele Seiten auf das Papier – auf zu viele Seiten. Zwar tummelte sich die Inhalts-Note meist im 1er Bereich, doch die Begeisterung meines Lehrers hielt sich in Grenzen. Rund 40 Seiten empfand er als Zumutung, ich als extreme Kurzgeschichte.

Kurz und gut, schlussendlich durften es nicht mehr als 20 Seiten sein – für alle, insbesondere für mich.Und da saß ich nun, randvoll mit Ideen und einem Schreibfluss, der gezähmt werden sollte. Das Ausbremsen mit 20 Seiten ärgerte mich, beschäftigte mich.
Aus, fertig, nix sprudelte mehr! Meine Geschichten schon als Gedanke auf das Wesentliche zu minimieren war absolutes Neuland (wie für manche das Internet) und ein echt harter Brocken für mich. Ob das wohl meine erste Schreibblockade war? Ich denke schon.
Irgendwann kam ich damit zurecht, nicht zuletzt auch wegen meiner genialen Eingebung, einfach viel kleiner zu schreiben …

Heute machen mir Platzeinschränkungen nicht mehr so große Probleme, ärgern mich manchmal vielleicht etwas, weil ich gern viel mehr sagen würde. Heute sind es eher zu viele Gedanken, die alle auf einmal durch meinen Kopf wirbeln und sich gemeinsam nach vorne drängen.

An einem Thema schreiben und dabei gleichzeitig an fünf andere Themen denken – da kommt der beste Schreibfluss ins Stocken. Passend dazu noch Stress im Büro, der sich wie ein Bandwurm durch die Gedanken frisst oder gar noch ein ins Wanken geratener Haussegen und schon geht mal wieder nix mehr. Gedanklich überschlag ich mich, lass mich bereitwillig von meinem eigentlichen Thema ablenken und vergess doch glatt meine selbst gesetzten Prioritäten. Zu viele Fragen möchten jetzt sofort und eigentlich gleich  beantwortet werden, lassen keinen Raum mehr, überhaupt einen Gedanken zu sortieren oder hervorzuheben.

Und dann ist sie da, die Schreibblockade! Still und heimlich schleicht sie sich an. Sitzt einfach so mit am Tisch, zwinkert und grinst: Und? Was machst du jetzt?
Was ich jetzt mache? Augen zu und durch: Ganz nach dem Motto, was ich nicht sehe, sieht mich auch nicht! Einfach weiterschreiben und ignorieren. Wenn das so einfach wäre. In meinem Kopf purzelt alles durcheinander, hüpft, winkt und schreit. Aber rauskommen tut nichts, rein gar nichts. Weder aufs Papier bzw. ins Worddokument noch als klarer Gedanken. Funkstille!

Tief durchatmen, Konzentration – und –  immer noch nichts. Die Schreibblockade ist noch da, locker und entspannt grinst sie vor sich hin.
OK, ich gebe auf, mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als ihr forsch die Stirn zu bieten.
Aber wie? Mit einem freundlichen Lächeln? Einer höfflichen Aufforderung, sich endlich vom Acker zu mache? Schreien, toben, drohen, unflätiges Zeug brüllen? Nein das Grinsen wird nur breiter.
Da hilft wohl nur eins, das Übel an der Wurzel packen: Die Schreibblockade akzeptieren und mich meinen Gedanken stellen, ist mein neues Zauberwort.

Was im Sommer unscheinbar mit Schreibunlust angefangen hat, hat sich während meines Urlaubs hochgeschaukelt und danach zu einer waschechten Schreibblockade gemausert. Zu einem wilden Sammelsurium aus Ideen, Gedanken, Fragen und Problemen gesellten sich unaufgefordert noch Ärger und Stress dazu, um alles ordentlich aufzumischen – Jetzt bin ich gerade dabei, mich mit allem gezielt zu befassen, auszumisten und nur noch Gedanken zu zulassen, die WIRKLICH wichtig sind!

Keine einfache Aufgabe und ob es funktioniert? Ich weiß es nicht. Aber ich denke, für mich ist es der einzig richtige Weg – auch für Alltag und Beruf – und siehe da, mit dem Schreiben klappt es ja auch schon wieder etwas. Wenn ich für diesen kleinen Beitrag auch zwei Wochen zum Schreiben gebraucht habe und eine ganze Woche, um ihn endlich einzustellen…

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s