Die Katze im Wandschrank oder die Geschichte meines ersten Podcast

Wie freue ich mich über das Lehrgangsheft zu SoMM 7*. Es ist relativ dünn und scheint dazu noch mit interessantem Lehrgangsstoff randvoll zu sein. Was will man bzw. Frau mehr? Bisher habe ich noch nicht so viel mit Podcasts zu tun gehabt, das macht’s besonders spannend. Der Lehrstoff liest sich gut, das Lernen flutscht, bis…. Ja, bis sich leider eine meiner größten Unarten aus dem Schattendasein ins gleißende Sonnenlicht schiebt: Ich kann nicht anders, bei ca. der Hälfte eines Buches muss ich einen verschämten Blick auf die letzten Seiten werfen, still und heimlich! Schande über mich, ich weiß, aber es ist ein innerer Zwang, der auch vor den Lehrgangsheften nicht halt macht.

Und das was ich da lese lässt mir das Blut stocken, löst Schnappatmung aus. Hier wird kein Mörder entlarvt, findet sich auch kein Liebespaar, nein, hier kommt die harte Realität der Einsendeaufgaben an’s Tageslicht: In Form eines selbst produzierten Podcast!

Ja, sowas kann Herzrasen auslösen! Richtig arges Herzrasen! Oh man, wird der eine oder andere jetzt denken, Frauen können doch echt alles dramatisieren und sind Meister der Hysterie und das wegen eines kleinen Podcast. Ich gebe euch ja recht, irgendwie, ein kleines bisschen. Aber zu meiner Entschuldigung, ich bin durch und durch Schreiberling und verarbeite zudem immer noch ein Kindheitstrauma von der Schule her, wenn wir mit der Englischklasse ins Sprachlabor mussten. Das ist jetzt zwar schon fast…. Nein, lassen wir das, ist schon so lange her, dass die Jahre und das Erlebnis eigentlich keine Rolle mehr spielen.

Ich lese, probier das Technische aus, schinde auf Zeit, eine Grippe spielt mir elegant den Ball zu. Auf dem Papier ein Konzept erstellen ok, aber schnupfend, niesend, hustend und röchelnd einen Podcast sprechen? Nein, das geht nun wirklich nicht! Irgendwann sind dann doch alle Ausreden aufgebraucht und sogar mein Mann ist aus dem Haus.

Ich entscheide mich für das Thema Location-Based Games, das ist einfach, da kann ich mich an meinem Blogbeitrag orientieren. Passend zum Namen Vorstadtkrimi muss ein Jingle her. Als alter Edgar Wallace-Fan schwebt mir da auch schon eine Idee vor. Ich vergewissere mich noch mal, dass ich auch wirklich alleine bin und verschwinde mit iPhone, meinen neuen Pumps und Wanderschuhen unterm Arm in unserer Kleiderkammer. Wen es befremdet, dass ich mich wie eine Katze in den Wandschrank zurückziehe: Den Tipp habe ich aus dem Studienheft, zwecks Geräusch-Absorbierung. Unseren Katzen ziehe ich die Tür vor den neugierigen Nasen zu, Zuhörer unerwünscht!

Ja, und dann schrei ich mir die Seele aus dem Leib. Ich schreie, bis sich die Stimmbänder fast aufrollen und ganz leise und heißer nach Salbeibonbons betteln. Aber das Ergebnis ist zufriedenstellend: ein breites Grinsen auf meinem Gesicht.

Schnell ein Blick nach draußen, ob die Luft noch rein ist. Vor der Tür sitzen stocksteif drei Katzen, aufgereiht wie Orgelpfeifen mit kreisrunden, aufgerissenen Augen. Perfekt, so schlecht war mein Schrei wohl nicht.

Schritte und Keuchen sind dann überraschend schnell im Kasten, lediglich der dumpfe Schlag für den Abspann will mir nicht gelingen. Angespornt schiebe ich Klamotten zur Seite und kauer mich mit meinen Notizen auf den Boden. Meine Güte, mir ist noch nie aufgefallen, wie viele Radtrikots mein Mann hat, aber wenn ich den Dingern so gegenüber sitze… Ich kichere vor mich hin. Stopp! Nicht abschweifen, der Podcast will gemacht werden.

Ich überwinde mich, plappere verspannt drauf los, verdränge den Wunsch, aufzustehen und dabei herum zu hampeln, verhaspele mich, rede und rede. Das Ergebnis ist niederschmetternd aber ideal zum Üben mit Audicity und mein Konzept brauch auch ganz dringend noch eine Überarbeitung. Dann warte ich geduldig auf die nächste “Sturmfreie Bude”.

Ich weiß, dass das doof ist, aber ich kann meine kleine Vorstellung im Schrank eben nur geben, wenn ich alleine bin. Fast alleine. Heute muss jemand mit, dem ich alles erzählen kann. Mein Mann? Nie im Leben. Siri, unsere behinderte Main Coon? Zu aufgedreht. Puuh, unser Norwegischer Waldkatzen- “Valium”-Kater? Nein, der schnarcht zu laut. Sorry Izzy, bleibst nur noch du.

Unwissend trabt sie auch brav mit in die Kleiderkammer. Zwar meine ich eine leichte Panik in ihren Augen zu sehen, als ich schnell die Tür hinter ihr zuschnappen lasse, aber sicher täusche ich mich da. Ich sinke auf den Boden, ordne meine Papiere und stammele los. Izzy wandert umher und lässt sich dann mir gegenüber auf einem Zwischenboden des Wandschranks nieder. Aufrecht, wie es die Ägyptisch Mau so an sich hat, die Augen auf mich gerichtet. Kurz bin ich irritiert, keine Bewegung, nur der starre Blick aus leuchtenden Augen. Und dann flutscht es auf einmal, zwar rede ich immer noch nicht locker vor mich hin, aber das Sprechen fällt mir tatsächlich leichter. Fast drei Stunden erzähle ich der Katze immer wieder das gleiche in leicht geänderter Form, stocke ich und fange noch mal von vorne an. Fast drei Stunden bewegt sich Izzy nicht, gibt keinen Laut von sich. Sie sitzt einfach nur aufrecht da und schaut mich an, Bastet wäre stolz auf diesen “königlichen” Ableger. Wer jetzt nach dem Tierschutz rufen will, den kann ich beruhigen. Sollte die Starre eine Schockreaktion auf meinen Podcast-Versuch gewesen sein, so hat sich Izzy vollständig erholt und springt wieder munter umher. Folgeschäden sind allerdings noch abzuwarten.

Nach drei redseeligen Stunden eine hastige Flucht der Katze und der angenehme Teil, das Bearbeiten, für mich. Das fällt mir entschieden leichter, läuft zügig von der Hand und auch das kleine Stück, dass ich rausschneiden und noch mal nachsprechen muss, fällt da nicht ins Gewicht.

Und ich bin stolz, richtig stolz dass ich ihn fertig bekommen und es tatsächlich durchgezogen habe. Es mag zwar (mit Sicherheit) nicht der beste Podcast sein, aber für mich ist er eine kleine Glanzleistung, die mich viel Überwindung gekostet und mir ab und zu auch sehr hartnäckig den Gedanken des Aufgebens zugespielt hat.

*SoMM ist die Bezeichnung des Fernstudiengangs zu Social Media Manager bei ils, die 7 steht für das Lehrgangsheft Nr. 7.

4 thoughts on “Die Katze im Wandschrank oder die Geschichte meines ersten Podcast

  1. Dieser Artikel ist soooo toll geschrieben. Ich habe mich bei meinem ersten Podcast auch schwer getan. Auch bei den bisher zwei weiteren Ausgaben kostete es noch Überwindung.
    Aber: Ich möchte weitere Folgen machen, weil ich nach der Aufnahme bisher eine gewisse Zufriedenheit feststellte, es also irgendwie doch Spaß macht.
    Ich hoffe auf weitere Folgen von dir, ich fand deinen nämlich echt klasse! Hat Spaß gemacht, zuzuhören. Du hast eine sehr angenehme Stimme und das Thema fand ich ebenfalls spannend!

    • Vielen Dank für das große Lob🙂. Es tut auch gut, dass sich andere mit dem ins “Leere” reden auch schwer tun (sonst bin ich nämlich nicht auf den Mund gefallen ;-)). Unseren München-Vorstadtkrimi hab ich mir schon von der Seele geschrieben und dank dem Gips steht der “Vertonung” fast nichts mehr im Weg…

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