Vorstadt-Krimi – Auf Mörderspur durch Köln – Unser Location Based Game Abenteuer

Im Februar stellt mich das Social Media Wiki von ils mal wieder vor eine kleine Herausforderung. Bei einer Einsendeaufgabe muss ich einen Beitrag für das Wiki schreiben. Auf der Suche nach einem passenden Thema wälze ich das Lernheft hin und her. Irgendwann bleib ich bei den „Location Based Games“ hängen, mache im Internet einige Recherchen. Als aktiver Geocacher kommt mir das Thema entgegen und ich fang natürlich Feuer. Location Based Games, ortsbezogene, GPS-basierte Spiele, die in einem realen Umfeld mit fiktiven Figuren über das Smartphone gespielt werde können. Eine entsprechende App herunter laden – eine Mörder Jagd mit Inspector Tripton bietet sich da an – und rein in die real-fiktive Spielwelt.

Interessant – spannend – aufregend:  Jaaa, das will ich ausprobieren! Gleich, jetzt sofort!
Euphorisch und mit dem iPhone in der Hand, steh ich vor dem ersten Problem. Zwar schwappen die Verbrechen inzwischen auch schon in unsere ländliche Gegend, haben wir hier doch auch mal den einen oder anderen Mordfall. Letztes Jahr wurde bei uns sogar eine Entführung aus Frankreich (durch Zufall) beendet und dieses Jahr sorgte ein kleiner Amoklauf für Aufregung – aber Location Based Games haben den Weg bisher noch nicht zu uns gefunden. Nein, noch nicht einmal nach Freiburg!
Ok, dann halt nicht. Ich lege das iPhone enttäuscht zur Seite, die virtuelle Mörderjagd muss also noch warten.

Ende April sind wir bei einer Konfirmation in der Nähe von Köln. Köln? Bei mir schrillen alle Alarmglocken. Ich merke, wie sich meine Gesichtszüge verziehen, zu einem breiten Grinsen. Innerlich hüpfe ich im Kreis:  Für Köln gibt es eine Location Based Game App – Inspector Tripton Cologne – Murder Underground.
Juhu, ich bin ganz aus dem Häuschen und jetzt schon aufgeregt. Ein, zwei, drei Tage Urlaub dran und das Spiel ist unsers – Köln wir kommen!!!

Der Himmel ist dunkelblau, als wir vom Hauptbahnhof aus Richtung Dom gehen – immer wieder ein beeindruckender Anblick. Ein eisiger Wind fegt mir unter die Jacke. Ihhh, jetzt zittere ich nicht mehr vor freudiger Erwartung sondern eindeutig vor Kälte. Macht nichts, ich möchte endlich loszulegen.

In wenigen Minuten erreichen wir den Appellhofplatz. Hier an der U-Bahnstation beginnt der Spielverlauf. Mist, auf der anderen Straßenseite liegt der Gehweg in der Sonne. War ja klar, wir stehen hier auf der Schattenseite und stellen uns zitternd den kalten Windböen. Während die App das Spiel aktiviert jaulen Polizeisirenen und wenig später jagen zwei Polizeiautos die Straße entlang. Wow, ein kurzes aufflackern des Blaulichts und schon sind sie durch – da kommt Cobra 11–Feeling auf und wir sind mit unserer kleinen Mörderjagd mitten drin!

Inzwischen startet unser Abenteuer, Inspector Tripton meldet sich zu Wort. Naja, zu Wort melden ist nicht der richtige Ausdruck, Texte ploppen auf. Häh? Ich habe eigentlich erwartet, dass die Figuren nicht nur in den realen Hintergrund eingespielt werden sondern sich auch richtig mit mir unterhalten. Stattdessen müssen wir die Gespräche lesen. Ich suche nach anderen Einstellungen, die die Gespräche vielleicht erst ermöglichen. Fehlanzeige. Puhhh. Leichte, nein schon fast große Enttäuschung. Ok, dann halt doch lesen. Das iPhone zittert leicht in meiner Hand. Es ist zugig hier an dem Plätzchen, vielleicht hilft ja dezentes trippeln auf der Stelle.

Lesen – Auf das Display tippen – lesen – man, hier zieht es doch kräftig um die Ecke – lesen, neue Personen tauchen auf, geben Hinweise. Zwischendurch bricht immer wieder die Verbindung zum Server ab. Ich bin ein klitze-kleines-bisschen genervt.
Ah, wir bekommen die ersten Fragen angezeigt. Lesen. Antworten auf die Fragen werden zur Auswahl vorgegeben. Wir tippen eine Antwort an, bekommen neue Gespräche. Gähn, wieder lesen. Ganz ehrlich? Die ständige Leserei geht mir richtig auf den S… ich meine auf die Nerven.

Ich tripple etwas stärker – spüre ich meine Füße eigentlich noch? – und habe das Gefühl, schon Stunden hier zu stehen, dabei sind es erst 10 Minuten! Spannung? Fehlanzeige. Mal kurz unter uns hinter vorgehaltener Hand: Bisher finde ich das Spiel echt richtig langweilig. Wir sammeln Indizien, lesen, tippen – gähn – lesen – tippen und bekommen auf einmal die zweite Station angezeigt: Minoritenkirche, dort soll es weitere Hinweise zur dritten Station geben. Super, her mit den Koordinaten und raus aus dem Schattenloch. Koordinaten? Keine Koordinaten!

Wir müssen uns mit der Spieleigenen Navigation durchschlagen. Der Kompass hängt sich ständig auf und will neu kalibriert werden. Passanten schauen uns schon merkwürdig an, nicht nur, weil wir hier schon ewig rumstehen. Immer wieder fuchtel ich mit dem iPhone wild in der Luft herum und versuche eine Acht zu beschreiben um den Kompass wieder freundlich zu stimmen. Ja ja, wenn Landeier einmal in die Stadt kommen…

Auf der Karte des Spiels kann ich die einzelnen Straßenzüge nicht genau erkennen. Ich kneif die Augen zusammen, ziehe die Karte größer. Smartphone sei Dank! Pech, sie springt sofort wieder in Originalgröße zurück. Hat mir jemand eine Lupe??? Wir traben eine Straße entlang, die in Richtung Kirche geht. Der Kompass nimmt sich gerade mal wieder eine Auszeit und lässt uns alleine herumirren. Nach einer Biegung geht es in die falsche Richtung weiter, also wieder zurück und rein in eine Sackgasse. Handy-Map und Navi wollen uns auch nicht so richtig unterstützen und der Akku geht so langsam in die Knie.  Jetzt wäre ein guter, alter Stadtplan super, zum Teufel mit der Paperless-World!!!  Nach einer ¾ Stunde, einer falschen Kirche und einem gefühlten Marsch einmal um Köln herum, stehen wir plötzlich vor der richtigen Kirche. In mir kocht es nicht, nein es brodelt.

Wir sind gerade mal an Station 2, haben noch neun Stationen vor uns und ich habe jetzt schon die Nase voll, richtig voll! Abbruch? Abbruch hier und jetzt, wir spielen nicht mehr weiter.
Ich möchte einen Kaffee, schön heiß und keine langweiligen Gespräche mehr lesen.

Habe ich meine Erwartung für das Spiel viel zu hoch angesetzt? Vielleicht – definitiv habe ich mir jedoch unter dem Spiel etwas ganz anderes vorgestellt!  Ich wollte mich richtig mit den Figuren unterhalten und war fest der Meinung, ich würde das reale Umfeld  zum Lösen der Aufgaben benötigen und nicht nur vorgegebene Antworten auswählen.

Aber vielleicht ist ja auch das Spiel für Köln noch nicht ganz ausgereift und wir hätten einfach länger durchhalten sollen? Oder: Ich habe schlicht und ergreifend den Ablauf des Spiels bzw. die Handhabung der App nicht kapiert und mir selbst den Spaß verdorben? Ich weiß es nicht. Und ich mag es jetzt im Moment auch nicht herausfinden.
Irgendwann werden wir das Spiel hier in Köln weiterspielen und dann eventuell doch noch den Wow-Effekt erleben, aber heute sicher nicht mehr.

Im Juni sind wir in München, vielleicht haben wir dort mit unserem Location Based Game mehr Glück – wir werden auf jeden Fall vorsichtshalber einen Stadtplan in der Tasche haben und sind gespannt, was uns dort erwartet! Und trotz unserer Niederlage heute, freue ich mich auf unser neues “Abenteuer” in München🙂

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