Netzwerke – Ein “Spielplatz” für Missbrauch?

Erst vor kurzem bin ich über die Twitter-Meldung von RTL gestolpert, “Mädchen über Skype missbraucht” – Missbrauch über das Internet, kein Einzelfall und sicherlich mit steigender Tendenz.
Ich mache mir Gedanken darüber, mal wieder. Ist es nur das einfache Handling, die Anonymität die das Internet bietet, die immer mehr “Täter” ins Netz ruft oder werden sie inzwischen auch schon fast von Netzwerk-Nutzern selbst “nachgezogen”? Eine gewagte Theorie und sicher auch nicht gerade elegant zu Papier gebracht – aber dieser Gedanke kommt mir nicht ganz ohne Grund. Fällt mir doch schon seit einiger Zeit auf, dass sich vor allem auf Facebook eine extreme Freizügigkeit breit macht, nicht nur bei erwachsenen Frauen sondern vermehrt auch bei Teenagern.

Immer häufiger tauchen in den öffentlichen Timeline- und Profilbilder Motive auf mit lasziv positionierten Frauen / Mädchen, die sich aufreizend winden und entsprechend bekleidet oder fast unbekleidet mit großen Rehaugen in die Kamera schmollen. Bilder aus dem Badezimmer gehören inzwischen schon genauso zum Tagespost wie im Schlaf- oder Kinderzimmer vor dem Spiegel aufgenommene Schnappschüsse mit Fragen wie: Ist die Spitze von meinem neuen BH nicht toll? Ist das knappe Oberteil nicht sexy? Die Likes und Freundschaftsanfragen schnellen in die Höhe, an bewundernden Kommentaren wird nicht gespart – meistens von Männern aller Altersgruppen. Bei genauem hinschauen gehören große Kulleraugen und zarte Spitzen an BHs oft Teenies, manchmal geschätzt noch nicht mal 14 Jahre alt! Da mach ich mir wirklich Gedanken. Was denken sich die Mädels dabei? Was die Männer, die hier liken? Muss das nicht für ein gewisses Klientel wie eine Einladung, fast schon eine Aufforderung wirken? Baut sich hier ein großer “Spielplatz” für die entsprechenden Männer auf, mit der Aussicht auf möglichst viele und leichte Opfer?

Im eigenen “Freundeskreis” treffe ich inzwischen auch immer mehr auf solche privaten Bilder.
Bilder sichtbar für alle Freunde, mit Privatsphäreneinstellung: Freunde von Freunden. Bilder, die niemand außerhalb von Facebook so freizügig herumzeigen würde, die ohne Facebook meistens gar nicht existent wären.

Empörung bei der Frage, ob solche Bilder bei der Arbeit den Weg an das schwarze Brett finden würden?
Natürlich nicht!
Und was ist mit den Freunden auf Facebook, wie viele davon sind Arbeitskollegen?
Keine, naja eigentlich fast keine. Eigentlich nur die, die direkt bekannt sind und der eine oder andere aus den anderen Abteilungen …
Aha. Würdest du so durch den Ort laufen, um dir ein Eis zu kaufen?
Geht’s noch?
War ja nur eine Frage. Und welches von den Bildern wäre ein geeignetes Motiv, um es bei einer Zeitung / Zeitschrift auf den Titel zu bringen oder es als Plakat im Ort auszuhängen?
Hier ist eindeutig die Vogel-Geste zu erkennen, keines natürlich!
Nein, ich spinne nicht, ich ziehe nur Vergleiche.
Vergleiche?
Ja Vergleiche: 100derte von Freunden – genaue Zahl momentan: 836, tausende von Freunden von Freunden. Wie viele davon unbekannt? Und jeder bekommt die freizügigen Bilder zu sehen.
Quatsch, alle Freunde sind natürlich persönlich bekannt! Wer nimmt denn schon Freunde an, die er nicht kennt?
Hmm, ICH habe keine 800 echte Freunde und mir fallen auch gerade mal keine 800 Namen von Bekannten ein…

Ein unbekannter “Leih-Account” ist schnell gefunden und kurzerhand für einen Versuch ausgeliehen. Die Freundschaftsanfrage ist noch schneller gemacht und – Überraschung – fast genauso schnell bestätigt. Bestürztes Schweigen. Soviel also zum Thema, alle Freunde sind bekannt…

Ein Beispiel aus meinem Umfeld, das mir zu denken gibt. Was passiert hier, dass die Hemmungen in Netzwerken so schwinden? Dass es so wichtig wird, privates öffentlich zur Schau zu stellen? Dass vergessen wird, dass auch das Netz eine reale Welt ist und hinter jedem Profil eine echter Mensch sitzt?

Wenn sich Erwachsene schon nicht der Tragweite bewusst sind, wo ihre freizügigen Bilder überall herum geistern und wen sie damit alles erreichen, wie kann man das von Teenies erwarten?

Bestimmt werden die wenigsten Mädels darüber nachdenken, dass hinter den Likes, den anerkennenden Kommentaren und Freundschaftsanfragen, die ihre Bilder auslösen, oft nicht nur Bewunderung für ein hübsches Gesicht sondern auch Missbrauchgedanken stecken können.

Was aber löst dieses freizügige Verhalten aus? Ist es die Suche nach Beachtung und Anerkennung? Konkurrenzdenken? Die gefühlte Anonymität des Netzes? Das fehlende Bewusstsein, für die Folgen?

Definitiv fehlt es meiner Ansicht nach auch stark an Aufklärungsarbeit, die das Bewusstsein vermittelt, dass auch Netzwerke zu dem “realen” Leben gehören. Dass dabei mit echten Menschen kommuniziert wird, die nicht immer das Beste für ihren Gegenüber im Sinn haben und dass ein einfacher Like der Grundstein für ein Verbrechen sein kann, das im besten Fall mit einem Schock für das Opfer ausgeht.

Ich denke, hier ist es wichtig, dass sich auch Eltern und Lehrer mit den Netzwerken befassen, um auf die Jugendlichen und ihren Umgang mit Netzwerken eingehen zu können. Aber auch Freunde und die Netzwerkgemeinde sind gefragt, um schon im Vorfeld zu reagieren, wenn entsprechende Bilder ihren Weg in’s Profil finden und nicht erst, wenn schon Belästigungen und Übergriffe stattgefunden haben. Darüber zu schreiben ist natürlich sehr einfach und Ratschläge sind immer schnell gegeben. In der Realität ist dies sicher ein heikles und nicht zu unterschätzendes Thema, aber die Notwendigkeit, ein Auge auf die Entwicklung zu haben ist sicher für jeden unerlässlich. Mit Sicherheit schadet es auch nicht, die öffentlich sichtbaren Daten im Blick zu haben und sich nicht mit erhobenem Zeigefinger vor die Kids zu stellen, sondern vielleicht von Anfang an als vertrauensvoller Netzwerkpartner mit an Bord zu sein.

Dies sind meine persönlichen Bedenken und Fragen zu diesem Thema – Vielleicht sehe ich das alles aber auch viel zu eng, male zu schwarz und verpasse hier gerade einen Schritt in die Zukunft, aber nur vielleicht…

5 thoughts on “Netzwerke – Ein “Spielplatz” für Missbrauch?

  1. Ich wünsche mir von jung und alt mehr Nachdenklichkeit beim Umgang mit Netzwerken! Die Likes sollten nicht aus der Hand herauspurzeln, sondern mit Bedacht gesetzt werden. Freizügige Fotos können nicht nur Mißbrauch zur Folge haben, sondern auch hemmend für die Karriere sein.

  2. Sicherlich verpasst Du keinen Schritt in die Zukunft – aber Du legst den Finger sehr genau in eine wunde Stelle ! Wenn schon sogenannte (selbsternannte?) Erwachsene mit Social Media nicht verantwortungsvoll umgehen – wie sollen das dann Jugendliche lernen? Klar gehört zum Erwachsenwerden auch dazu, mal über die Stränge zu schlagen, und mit den Folgen fertig zu werden. Glücklich kann sich dann der Teenie schätzen, der “nur” von älteren Facebook-Freunden “Streß” kriegt ;-)) und vielleicht findet ja eine oder einer davon die richtigen Worte, um den Lernprozess in Gang zu setzen …

  3. Und ich möchte gar nicht wissen, wieviele Internet-Unkundige (oder -verweigerer) gar nicht wissen, was ihre Kinder tun? Ich musste mir einen Computer kaufen und selbst ins I-Net gehen (lange her), bevor ich einen Anschluss für meinen Sohn realisiert habe. Damals war mir das teuer und lästig (heute bin ich dankbar!) aber ich musste als Mutter doch wissen, was da alles möglich ist. Aufklären, erklären, helfen… da wir uns beide noch nicht so auskannten, geschah das dann auf Augenhöhe.. und heute noch tauschen wir uns über Themen ums Netz aus, lernen voneinander (gerade, weil er noch studiert und ich mich ja auch weiterbilde…) Man muss MIT den Kindern lernen, ihnen zuhören, Wege aufzeigen, probieren, revidieren, man darf sich irren, permanent lernen, aufmerksam sein… vor allem nicht vom hohen Ross predigen (wohlmöglich unkundig!) und nicht erläuterte Verbote bringen sicher gar nichts. Denke ich.
    Sogenannte Erwachsene sind schnell mal beratungsresistent. Aber genauso (bei meinem Umfeld) andersrum. Gute Freundinnen “brauchen” keinen Computer…und merken gar nicht, wie ein wichtiger Zug ohne sie abfährt. Gott sei Dank sind beide kinderlos…vllt. ist es in diesem Fall genau deshalb so…

  4. Nachtrag: sorry, ich war von deiner eigentlichen Fragestellung etwas entfernt mit meiner Antwort, wollte nur sagen, dass die Kids oft niemanden haben, der da kompetent einen Weg aufzeigen könnte. Ein Unterrichtsfach ist da längst überfällig (oder gibt’s das schon, bin da mit ‘nem 25jährigen doch eine Ecke von weg…)

    • Hallo Miki, nein, du bist von meiner Fragestellung gar nicht weit weg und vielen Dank für deine Antwort, die mir zeigt, dass ich mit unseren Nachwuchs-Netzwerklern auf dem richtigen Weg bin.
      Viel Grüße Silja

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s