Das Ende der ländlichen Idylle?

Sonnenschein, nickende Blüten, umweht von einem etwas kühlen Frühlingslüftchen. Nach einem langen Winter endlich zartgrüne Blätter an Bäumen und Sträuchern, Blütenduft und die ersten Touristen, die durch die Gengenbacher Altstadt schlendern  – Genauso stellt man sich einen beschaulichen Sonntag in ländlicher Gegend vor. Hier ist die Welt noch in Ordnung, hier kann man noch beruhigt vor die Tür gehen.

Und dann das Unfassbare! In der örtlichen Klinik taucht ein betrunkener Mann auf, will seine Organe spenden und zieht eine Waffe. Er verläßt den Empfangsbereich, schießt draußen vor dem Haupteingang in die Luft und auf eine Krankenschwester, die zum Glück nicht getroffen wird. Mit dem letzten der drei Schüsse tötet der Mann sich selbst.

Jeder kennt die Klinik, die am Wochende und an Feiertagen die Anlaufstelle für fast alle Notfälle ist. Vom zu tiefen Schnitt in den Daumen über den vermaledeiten Hexenschuss bis hin zum unplanmäßigen Sturz mit den Inlinern, die meisten aus der Umgebung waren hier schon “Gast”.
Gerade an diesem Tag suchte ein Mountainbike-Kumpel meines Mannes wegen Knieproblemen die Klinik auf und verläßt das Gebäude zusammen mit seiner Frau 15 Minuten vor dem Eintreffen des Schützen. Eine “Nähe” zu dem Geschehen, die uns fast noch betroffener macht.

Fassungslosigkeit und Entsetzen in der Kleinstadtidylle! Für die einen Sensation, für die anderen ein großes Fragezeichen und eigentlich Undenkbar. Solche Geschichten sieht man sonst doch nur im Fernsehen – passieren in Amerika oder in großen Städten – aber doch nicht bei uns!

Ist es vielleicht an der Zeit etwas umzudenken, wenn das “reale” Leben beginnt an die Türen der Kleinstädte und Dörfer zu klopfen? Immerhin gab es schon im letzten Jahr – wenn auch von der Allgemeinheit schnell wieder vergessene – Mordfälle in unmittelbarer Nähe.

Wäre es nicht besser, sich so langsam der Realität zu stellen, die mit zunehmender Anonymität und landesweiten Problemen wie z.B. Arbeitslosigkeit, Gewalt, Übergriffen an Schulen und Drogen auch vor unseren Dörfern nicht mehr halt macht? Anstatt mit zwei zugedrückten Augen krampfhaft alles für den Erhalt der guten alten ländlichen Idylle zu ignorieren  …

fruehling

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